Der Ruf des Muezzin

Regelmäßige Rundfunkhörer kennen das: irgendwann im laufe des Tages ruft eine getragene Stimme zur geistigen Einkehr. Unter dem Gesichtspunkt der Religions- und Meinungsfreiheit ist das öffentlich-rechtliche Angebot jedoch hochgradig tendenziös.

Wenngleich die christlichen Kirchen anfänglich so ihre Reibungen mit dem Beitragsservice hatten, gab es vorher wie nachher ein Arrangement mit dem Staatsrundfunk: „Wort zum Sonntag“ und diverse visuelle und rein akustische Varianten in den Radiostationen fluten die Republik mit chistlicher Lehre.

Eine kurze Statistiksuche zeigt, dass dieses Religionsmonopol schon lange nicht mehr von der Verteilung in der Bevölkerung gestützt wird. Die neuzeitliche Quelle der Erkenntnis ist etwas detaillierter. Da zeigt sich, dass es – würde es proportional verteilt –

  • ca. zweieinhalb Tage ohne religiöse Berieselung geben müsste,
  • ca. zwei Tage römisch-katholische Ein- und Ansichten,
  • ca. zwei Tage evangelisches Hohelied,
  • ca. einen viertel Tag Koranlesungen, wenigstens eine mal freitags

und den Rest Vorträge aus der Tora u.a. geben müsste. Wenn es darum ginge, wirklich allen Bevölkerungsgruppen gerecht zu werden.

Unter dem Gesichtspunkt, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk ein besonderes Auge auf Minderheiten, die sonst keine Stimme hätten, müssten die bekennenden homosexuellen Protestanten eine besondere Zuwendung erfahren. Allerdings wäre das dann in etwa so, als ob statt Fußball Luftgewehr-Wettschießen gezeigt würde. Wobei die Sportschützen den viertstärksten Sportverband in Deutschland stellen, sind jedoch bereits sie bestenfalls zu Olympia Programm-Bestandteil.

Was die Degeneration des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zur quotengetriebenen, massenkompatiblen Fast-Food-Medienproduktion deutlich macht. Das gern selbstherrlich beschworene Gegengewicht zum „Kommerz-Fernsehen“ mit „Qualitätsprogramm“ hält bei objektiver Betrachtung dieser Selbstwahrnehmung keine Sekunde stand.

Deshalb ruft ein Muezzin bestenfalls bei einem Beitrag über die Türkei mal vom Minarett, im Rundfunk oder Fernsehen darf ein Mitglied des Zentralrats der Muslime sich bei „Türkenthemen“ in Streitrunden äußern oder wenn man jemanden braucht, der sich als „Betroffener“ vom Islamischen Staat distanziert.

Ansonsten werden stoisch die christlichen Werte hochgehalten. Wobei es offiziell ein Neutralitätsgebot gibt, dass gerade für den öffentlich-rechtliche Rundfunk, als einzig glaubwürdige Benachrichtigungsquelle (noch so ein Selbstverständnisding) beachtenwert wäre. Aber so wie nur für Fußball das Regelprogramm verschoben wird, wird um so starrer an der Sicht auf eine rein christliche Religiösität der Bevölkerung festgehalten.

Wo doch gerade ein besseres Kennen z.B. des Koran, verhindern könnte, dass Jugendliche sich radikalisieren, wenn Sie wüssten, dass der Koran im Grunde eine sehr menschenfreundliche und friedliebende Religion predigt. Zumindest für die Toleranz unterneinander wäre es sicher zuträglich.

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